Kärnten als noch Auerhahn-reichstes Bundesland Österreichs könnte durchaus diesen Status halten, wäre da nicht der Abschuss dieser Hühnervögel als Lebens-Highlight passionierter Jäger zu bedenken. Jedoch der Rückgang dieser attraktiven Vögel ist nicht zu übersehen. Die Hühnervögel haben außer den Jägern noch andere Feinde.
Tetrao urogallus, auch Ur- oder Auerhuhn genannt, mit einem
Gewicht von etwa fünf Kilogramm, ist der größte und imposanteste Hühnervogel
Europas.
Der prächtige Raufußhahn bewegt sich wie ein Fürst. Erhaben, selbstbewusst
mit einem Hauch von Arroganz schreitet er über den Waldboden. Im März,
wenn für ihn die Zeit der Liebe beginnt, sucht er sich allabendlich, meist
noch vor Sonnenuntergang, "seinen" Baum - starkastig mit weitreichender
Aussicht. Stoische Gelassenheit zeichnet den Freier bei der Gefiederpflege
aus, akribisch ordnet er jede einzelne Feder, ehe er einige Strophen oder
"G'setzln" in die beginnende Dunkelheit trällert. Dieses Schlummerlied
zwingt ihn in Schlafstellung, dann gibt er sich seinen Träumen hin. Vier
bis fünf Stunden ruht er. Noch im allerersten Morgengrauen bringt er sein
Kleid auf den letzten Schliff, dann lässt er die Flügel etwas hängen,
fächert betont langsam seinen Stoß, streckt den Hals, auch "Stingel" genannt
hoch, plustert den Kehlbart von sich, öffnet seinen Schnabel und beginnt
doppelsilbig zu "glepfen". Vergleichbar mit von uns Menschen durch Zunge
und Gaumen erzeugte Schnalzlaute, welche in Folge beschleunigt werden
und sich nun mehr einsilbig trillernd anhören. Ruckweises Anheben und
Fächern des Stoßes unterstreichen effektvoll die Klapperlaute. Letztlich
schließt er seinen Schnabel, reckt den Kopf steil nach oben und setzt
einen knallartigen Laut hinterher. Der Grünrock nennt diesen Laut den
Hauptschlag. Dem folgt ein nur wenige Sekunden lang andauerndes Geräusch,
welches sich anhört wie das hastige Wetzen einer Sense - das "Schleifen".
In dieser Phase schließt der balzende Hahn, wie ein lüsterner Snob, die
Augen. Entgegen Letzterem blinzelt Ersterer in diesen Sekunden mitunter
durch seine Lider und ist dann durchaus in der Lage optische Reize zu
registrieren. Gegen akustische Reize oder Berührungen ist er seltsamerweise
völlig unempfindlich!

Hier glepft er am Boden - Foto Jakob Zmölnig
Nun meldet er ohne Pause mit seinen Gesangstrophen von erhöhter Position, stört ihn etwas, bringt er dauerhafte Knacklaute ein, um dann seinen Gesang wieder fortzusetzen. Zu dieser Zeit, jagdgesetzlich noch auf den Mai beschränkt, wird der Auerhahn in der gesanglichen Schleifphase bis auf schusssichere Entfernung angesprungen, mit Kugel oder Schrot "erlegt" und demzufolge einige Hennen in den trauernden Witwenstand gezwungen. Der überlebende Hahn streicht sobald es taghell geworden ist von seinem Ansitz ab und balzt am Boden an bereits im Herbst des Vorjahres abgegrenzten Balzplätzen weiter. Ab und an ersetzt er das Schleifen oder Wetzen mit einem flatternden, über zwei Meter hohen Luftsprung, präsentiert das Weiß der Unterflügel und landet eher unsanft wiederum am Boden. Die empfängnisbereiten Hennen warten bereits am Balzplatz.
Erwachsene Hähne sind territorial und in Rängen geordnet,
jedoch schließe ich aus jahrelangen eigenen Beobachtungen in Kärntens
Gailtaler Alpen und im steirischen Liesing- und Ennstal, dass sich die
Hennen nicht immer vom größten und ranghöchsten Hahn treten (begatten)
lassen, sondern instinktiv vermehrt den vor Gesundheit strotzenden und
am wenigsten von Parasiten befallenen Hahn dafür wählen.
Im Verlaufe der Balz steigert sich der Testosteronspiegel des Hahnes um
ein Vielfaches. Unglaubliche Aggressionen vereinnahmen die Tiere und steuern
nicht nur die Kämpfe untereinander, sie geraten so außer sich, dass sie
sogar Menschen, wie ich es am eigenen Leib zu spüren bekam, blindwütig
attackieren. Mit halbgeöffneten Flügeln lief ein solch ausgewachsenes
Exemplar auf mich zu und lehrte mich mit eindrucksvoll gezielten Schnabelhieben
Respekt. Kärnten ist mit seinen Bergwaldregionen und deren Biotopqualität
in einigen Regionen noch vom Glück gesegnet. Große Auerwilddichte entspringt
allerdings dem Jägerlatein, denn nicht einmal in jenen Gebieten wie Taiga
und Tundra besiedeln mehr als vier bis fünf Auerhühner Bereiche von 100
ha. Die letzte mir bekannte Zählung der Kärntner Jägerschaft stammt aus
dem Jahre 2002 und ergab 2.962 Hähne und 2.429 Hennen. Eine Summe, deren
Dunkelziffer eher tief- als hochzurechnen ist, denn eine exakte Zählung
ist äußerst schwierig, zumal es dabei nirgendwo zusätzlich an Opportunität
mangelt. Der Versuch eines Försters mit einem Team von Respect to Wildlife
an verschiedenen Orten eines Reviers die Anzahl der balzenden Hähne mit
Richtmikrofonen auf CD aufzunehmen bestätigte einigermaßen seine Bestands-Einschätzung.
Selbst auf diese Weise ist aber der tatsächliche Auerwildbestand nicht
100%ig eruierbar und darf schon gar nicht flächendeckend umgelegt werden.
Lebensraumeinengung durch intensive Forstwirtschaft, Beunruhigung durch
Biker und Wanderer, Paragleiter und Drachenflieger, energieproduzierende
Windräder sowie negative Auswirkungen durch Stickstoff-Emissionen auf
die Vegetation, Forstkulturzäune und einige wenige Prädatoren sind erklärte
Feinde des Auerwildes.

Gut gedeckt brütet die Henne - Foto Jakob Zmölnig
Kann ein Jagdrevierbesitzer einen Auerhahnabschuss verkaufen,
bringt das dem Einen eine erkleckliche Einnahme. Dem Anderen ein Erfolgserlebnis.
Die Behauptung, dass Jäger stets Bestand schützend und regulierend eingreifen
ist im Bezug auf das Urhahn-Wild nicht nachzuvollziehen. Europaweit vom
Aussterben bedroht sehen die gesetzlich verankerten EU-Richtlinien vor,
dass während der Balzzeit im Frühjahr Auerhähne nicht mehr bejagt werden
dürfen. Ganz klar, denn während der werbenden Balzzeit werden durch den
Arterhaltungstrieb auch die Auerhähne leichtsinnig und mitunter dummdreist.
Eine leichte aber nicht gerade rühmliche Weidwerkausübung, den vor "Liebe"
trunkenen Hahn vom Baum zu ballern. Weidwerk hat mit Handwerk zu tun.
Wirkliche Handwerker wissen um den Bestand und verabscheuen diese Art
von "List"!
Der Kärntner Landesjägermeister DI Dr. Ferdinand Gorton sieht das anders.
In der Einleitung des Kärntner Jäger Nr. 176/2008 sagt er: …"Zu den Raufußhühnern
und der Waldschnepfe sei nur so viel gesagt, als dass mit der Politik
in unserem Lande Einvernehmen besteht, die legistischen Voraussetzungen
nun zu schaffen, um die durch das EuGH-Urteil untersagte Frühjahrsbejagung
aufrecht zu erhalten. Der Weg wurde besprochen, die notwendigen Gesetzes-
und Verordnungsveränderungen eingeleitet, wir sind guten Mutes, dass wir
im nächsten "Kärntner Jäger" über die erfolgreiche Vorgangsweise berichten
können. …" Zitatende.
Wenn für eine kleine Gruppe von 11.000 Kärntner Jagdkarteninhabern EU-Gesetze
wegen Aufrechterhaltung von Traditionen geändert werden können, werden
sich 550.000 Kärntner Nichtjäger fragen, ob das auch bei anderen Gesetzen
möglich ist?
Ihr H.P. Sorger
Gönnen Sie sich ein besonderes Naturerlebnis!
Kärntner Vogelwelt in Bildern
www.birdertrio.at
Wir danken allen unten Angeführten für die Unterstützung zum Gelingen unseres Habichtskauz-Bestandstützungs-Projekts!

Familie Aigner
Familienhotel Kreuzwirt

Familie Cieslar
Seehotel Enzian

Familie David und
Verena Seeland
Appartement Hotel Seeland
![]()
Mag. Martin Müller
Weissenseefisch

Alternatieve Elfstedentocht
Weissensee

Weissenseer
Holz-System-Bau GmbH

Familie Irmgard und
Hans-Peter Eder

Cafe - Bar - Ingo
Wir danken:
Titelfoto Jakob Zmölnig:
Nun setzt er zum Hauptschlag an.